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Alles Mögliche und Unmögliche von Cebulon

Fletschern, Schmauen, gründlich kauen, Teil 1

 

So lange ich zurück denken kann, und wahrscheinlich noch länger, leide ich unter Befindlich- keitsstörungen. Also Zuständen, wo ich nicht wirklich krank bin, aber mich auch nicht wirklich wohl, gesund und fit fühle. Das sind solche Sachen wie Druckgefühle oder leichte Schmerzen in Bauch und Kopf, Müdigkeit, Nervosität, Unkonzentriertheit und Ähnliches!

Das führte ich zuerst mal auf mein unstetes Leben, also die Wechselschicht, Überschichte an den Wochenenden usw. zurück und fand es eigentlich schon fast normal das Körper und Seele in der beschriebenen Weise darauf reagieren. Trotzdem versuchte ich alles mögliche um diese Beschwerden zumindest zu lindern. Vitamine, Mineralien, pflanzliche Beruhigungsmittel um bes- ser zu schlafen, verstärkt Obst und/oder Rohkost essen (wegen Vitaminen, Mineralien und Bal- laststoffen), Obst und Rohkost meiden (wegen Verdauungsproblemen), auch schon mal das eine oder andere Wundermittel (Apfelessig usw.), aber eigentlich alles mit wenig Erfolg oder deutlichem Mißerfolg.

Irgendwann habe ich dann mal was über das Schmauen gelesen, und das ein Herr Schilling darüber ein Buch geschrieben hat. Das heißt, so wirklich gelesen habe ich das nicht, nur so im Vorbeilesen im Internet bemerkt. Schmauen hörte sich irgendwie albern an, nichts womit man sich als ernsthafter Mensch beschäftigen müßte. Aber irgendwann habe ich dann doch mal gelesen worum es dabei geht. Nämlich eigentlich um etwas selbstverständliches, und zwar das man sein Essen gründlich kauen soll.

Der Herr Schilling macht aus dieser einfachen Tatsache eine Religion, ob das sein muss weiß ich nicht. Aber immerhin hat dieser Bericht dazu geführt das ich über meine Essgewohnheiten nachgedacht, und mich gründlich über das Thema informiert habe. Dieses gründliche Kauen ist eigentlich nichts Ungewöhnliches und wird von Müttern, Großmüttern, Ärtzten, Heilpraktikern empfohlen. Auch gab es da vor längerer Zeit einen Herrn Fletcher aus Amerika, der da schon mal eine Bewegung raus gemacht hat. Und irgendwie weiß es so auch fast jeder das man das tun sollte. Aber kaum jemand tut es, weil es nicht in unser hektisches modernes Leben passt.

Dabei ist es ziemlich wichtig das man es tut. Denn nur wenn unser Essen schon im Mund vor- bereitet wird, können Magen und Darm mit dem was da runter kommt etwas anfangen. Im Mund wird es nämlich nicht nur zerkleinert, sondern auch durch Enzyme im Speichel teilweise umge- wandelt. Und nur wenn das alles passiert ist können Magen und Darm etwas damit anfangen. Wird das Essen vor dem Schlucken nur grob zerkaut, können Magen und Darm kaum etwas damit anfangen. Es gärt im Darm, was zu Druckgefühlen und Schmerzen führt, Giftstoffe ent- stehen, die weitere Beschwerden verursachen, und was gutes im Essen steckt, wie z. B. Vita- mine und Mieneralien, kann nicht verwertet werden und verläßt den Körper irgendwann wieder.

Das ist also, kurz zusammengefasst, das was ich zum Thema recherchiert habe. Und als ich dann mein Essverhalten damit verglichen habe... ...naja, ich denke manchen von euch wird es ähnlich gehen. Mein unstetes Leben als Instandhalter führt eigentlich unweigerlich dazu, dass das Essen zum hastig eingeschobenem Akt wird. Nach dem Motto: Wer nicht schnell isst, hat nichts im Bauch wenn die knapp bemessene Essenszeit vorbei ist. Also wird geschlungen. Mög- lichst viel auf einmal in den Mund, grob zerkaut, und ab in den Bauch damit. Und nach dem hastig herunter geschlungenem Essen kommt der Bauchdruck, die Müdigkeit...........!

Gut, alles was ich da gelesen hatte erschien mir logisch und würde auch viele meiner Probleme erklären. Also probierte ich es aus. Zuerst bei einem Mittagessen vor der Mittagschicht. Ich kaute, genau nach Vorschrift jeden Bissen gründlich klein, und danach noch weiter bis er im Mund fast flüssig war. Erst dann schluckte ich ihn runter. Das dauerte lange, und der Teller wurde auch nicht komplett leer. Aber... ...ich merkte schon dass ich mit dem wenigerem dass ich gegessen hatte satt war. Und zwar wirklich satt! Normalerweise war mein Zustand nach dem Essen eher so: Der Bauch ist voll, es geht nichts mehr hinein, aber (noch) kein Sättigungsge- fühl! Dazu so "platt" als hätte ich eine schwere Arbeit erledigt.

Dieses Mal aber nicht. Ich war angenehm satt, aber durchaus noch leistungsfähig. Das fing schon mal gut an. NormalerWeise hätte ich mich jetzt, vom gefüllten Bauch her müde und er- schöpft, zur Arbeit geschleppt, hätte mich da auf einen Stuhl im Aufenthaltsraum fallen lassen und wäre erst wieder aufgestanden wenn es unbedingt sein müsste. Erst viel später hätte ich mich wieder halbwegs gut gefühlt.

Dieses Mal war es anders. Der Weg zur Arbeit, auf meinem Motorrad, wurde zur Spazierfahrt. Ich hing nicht wie ein nasser Sack auf dem Sattel, sondern saß aufrecht und bequem, genoss die Sonne, die frische Luft und fühlte mich wohl. Auf der Arbeit mußte ich mich nicht hinsetzen mußte sondern konnte gleich aktiv werden.

Das Sättigungsgefühl hielt lange an. Abends, zur Pausenzeit hatte ich immer noch keinen rich- tigen Hunger. Ein paar Bissen von meinem Pausenbrot habe ich trotzdem gegessen, schon um das gründliche Kauen weiter zu üben. Aber das war es dann auch für diesen Tag. Normaler Weise hätte ich zu Hause noch etwas gegessen, vor dem Schlafen gehen. Das brauchte ich dieses mal nicht.

Seitdem kaue ich also gründlich. Manchmal denke ich nicht daran, aber es verautomatisiert sich immer mehr. Ich esse nicht mehr solche Mengen wie früher. Ich habe keine grosse Lust mehr auf Zwischendurch-Naschereien. Zur Arbeit nehme ich wesentlich weniger zu essen mit als früher. Schokolade, Plätzchen usw. gar nicht mehr, eher Obst. Ja, Obst, das mir sonst im- mer schwer im Magen lag. Gründlich gekaut ist es kein Problem mehr. Gewöhnen musste ich mich daran dass ich, sobald ich satt bin aufhöre zu essen und somit oft Reste weggeworfen werden müssen. Das widerstrebt meiner Erziehung. Wenn ich mir selbst die Portion zuteilen kann, nehme ich wenig und hole mir evtl. noch etwas nach. Aber oft macht meine Frau das, und die meinte es immer viel zu gut mit mir. Und wenn man mal auswärts essen geht hat man sowieso keinen Einfluss auf die Portionen. Ich kann nur hoffen das ich nicht schuld daran bin, dass das Wetter in diesem Jahr so katastrophal ist.

Mein Befinden hat sich gebessert. Mein Bauch ist flacher geworden, keine Druckgefühle mehr. Ich fühle mich allgemein aktiver, wo ich sonst den Couchpatatoe gemimt habe bin ich jetzt oft, meistens mit Frau, unterwegs. Und konzentrierter bin ich auch wieder, kann lange Texte schrei- ben, Blogportale testen und vieles mehr. Ach ja, ein paar Kilos abgenommen habe ich auch, ganz ohne zu hungern. Ein angenehmer Nebeneffekt. Mein Wespenstich, von dem ich letztens berichtet habe, hat mich zwar befindungsmäßig zurück geworfen, aber das wird wieder!

So viel also zu meinen Erfahrungen, und noch mal zurück zum Thema, bzw. zur Praxis. Wie ge- schrieben, das gründliche Kauen ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Es wird uns al- lerdings schon in der Kindheit wegerzogen und fügt sich nur schwer in unsere moderne Zeit. Aber es lohnt sich.

Man muss nicht unbedingt eine Religion daraus machen, aber wer will kann sich ja das Buch vom Herrn Schilling kaufen. Ich habe es auch getan. Manche finden das was er schreibt über- trieben, aber das muß jeder selbst wissen. Ich fasse die Praxis noch mal kurz zusammen. Wer mehr wissen will, findet genug Infos im Internet oder im genannten Buch.

Kleine Bissen in den Mund nehmen, gründlich klein kauen, weiter kauen bis er sich im Mund verflüssigt hat. Erst dann schlucken. Auch flüssige Nahrung, wie Suppen, müssen sich mit dem Speichel vermischen, damit die Enzyme ihre Arbeit tun können. Also auch die kauen. Hört sich schwierig an, aber mit einiger Übung klappts.

Das war es eigentlich erst mal an Praxis. Zum Schluß möchte ich noch den Genußfaktor erwäh- nen. Nur wenn die Nahrung vom Speichel aufgelöst wurde schmeckt man richtig. Wer also alles hastig hinunterwürgt, bringt sich um den Genuss. In diesem Sinne also an alle die es auspro- bieren möchten: Viel Spaß!

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