Dumm gelaufen
Manche Menschen sind einfach Pechvögel. Sie tun nichts anderes als andere Menschen auch. Aber während diese anderen Menschen unbeschadet durchs Leben gehen, passieren den Pechvögeln die unglaublichsten Dinge.
Ich fürchte ich bin so ein Pechvogel! Warum? Na lest mal selbst:
Da fahre ich also vor der Nachtschicht mit dem Motorrad in unsere Zweirad-Garage. Wie schon unzählige Male zuvor stelle ich zum Anhalten beim Ausrollen die Füsse auf die Erde. Muß ich ja, sonst würde ich ja mit dem Motorrad ins Kippen kommen. Aber dieses Mal ist es anders, denn jäh durchzuckt ein stechender Schmerz mein rechtes Fußgelenk.
Trotzdem komme ich zum Stehen, irgendwie hat mein Körper das wohl automatisch gemacht. Der Verstand kann da nicht viel geholfen haben, denn der ist erst mal, wie man so sagt "von den Socken"! Was war das denn jetzt? Erstens kam es völlig unerwartet, zweitens ist es total unverständlich! Was kann denn da passiert sein?
Also erst mal vom Schock erholen, dann vom Motorrad absteigen und auf den Ständer stellen. Das Fußgelenk schmerzt, aber es geht. Ein bißchen herum laufen, geht, trotz Schmerzen, auch. Und nun noch mal, was kann da passiert sein?
Also, die Stelle untersuchen an der es passiert ist. Der Betonfußboden ist absolut glatt, aber es gibt da eine Dehnungsfuge. Also eine Rille im Beton, die dazu gemacht ist dass der Fußboden sich je nach Temperatur ausdehnen oder zusammen ziehen kann ohne Risse zu bekommen. Dazu sollte diese Rille mit dehnbarem Material ausgegossen sein. Und das ist hier nicht der Fall. Die Rille ist leer.
Mit Sicherheit sagen kann ich es natürlich nicht, eine Zeitlupen-Wiederholung kann ich ja nicht abrufen, aber ich kann mir nur vorstellen das ich darin mit der Stiefelspitze hängen geblieben bin und mir dann im Ausrollen mit der Fussraste in die Hacke gefahren bin.
Und nun? Einfach arbeiten gehen, oder wieder nach Hause? Aber, es ist ja ein Wegeunfall, einfach so nach Hause fahren ist denkbar schlecht. So etwas muss dokumentiert werden, falls es schlimmer wird, und als Grund fürs Wegbleiben sowieso. Also heißt die Alternative, trotz Schmerzen arbeiten gehen und hoffen das es einach so besser wird, oder beim Werkschutz anrufen und einen Riesenaufwand in Bewegung setzen.
Also erst mal wie gewohnt das Motorrad abschließen und in die Waschkaue (Umkleideräume) gehen. Das Gelenk schmerzt, aber das Laufen klappt halbwegs. Treppen steigen ist schon schwieriger. Oben angekommen, auf die Bank vor dem persönlichen Schrank setzen und erst mal Stiefel und Socke ausziehen. Das Gelenk betasten und vorsichtig bewegen. Es geht so, nach Haus fahren, Kühlakkus drauf, dann müsste es morgen wieder gehen.
Aber wie gesagt, ein Wegeunfall, und da kann es schwierig werden. Ein Arbeitskollege der gerade vorbei kommt rät mir auch dringend dazu die Formalismen einzuhalten. Also humpele ich zum Telefon, das im Flur an der Wand hängt, und rufe an. Und sitze kurz darauf im werks- eigenem Unfallwagen, auf dem Weg zur Notfallambulanz im Krankenhaus.
Der Fuß wird geröngt, der Arzt schaut sich die Bilder an und diagnostiziert das am Knochen etwas beschädigt und ein Band gerissen sein könnte, kann man wohl nicht so genau sehen. Also wird der Fuß in einen Zink-Leim-Verband eingewickelt. Zunächst müssen mal die Schwel- lungen zurückgehen, das dauert ein paar Tage, und dann gibt es evtl. eine Aircast-Schiene, je nach inzwischen erfolgter Heilung.
Und so liege ich also mal wieder auf der Couch, und kann es noch immer kaum glauben was mir da passiert ist. Immerhin habe ich kaum Schmerzen und habe den Eindruck dass es mit der Heilung gut voran geht. Ich könnte mich ja freuen, dass ich nun ein paar Tage nicht arbeiten muss, aber ich kann ja leider auch andere Dinge nicht tun, die ich ausserhalb der Arbeiszeit gerne tun würde. Nicht zuletzt also mit meiner Kamera durchs Land ziehen.
Also würde ich meinen Zustand so beschreiben: Überwiegend sauer!
Und es ist wieder der rechte Fuss, der, der schon mal im Mittelfuss komplett durchgebrochen war, an dem schon zwei mal der kleine Zeh gebrochen war, auf den ich mir im letzten Jahr ein Motorrad geworfen hatte, usw., usw.!