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Alles Mögliche und Unmögliche von Cebulon

Vermeidbare Unfälle

24. August 2011 , Geschrieben von Cebulon Veröffentlicht in #Grübeleien und Nachdenkliches

Der Unfall meines Kollegen, den ich im letzten Artikel geschildert habe, war Anlaß zu folgenden Gedanken:

 

Unfälle geschehen immer wieder. Wobei ich nicht unbedingt Verkehrsunfälle meine, sondern Unfälle wie sie jedem von uns im normalen Tagesablauf, bei der beruflichen Arbeit, bei der privaten Arbeit im Haushalt oder im Garten, bei Hobbys, beim Sport usw., usw. immer wieder mal geschehen.

 

Fast alle diese Unfälle haben eins gemeinsam: Wenn man sie hinterher genüßlich Punkt für Punkt, Bewegung für Bewegung auseinander nimmt wird man ohne weiteres feststellen das sie problemlos vermeidbar gewesen wären. 

 

Normalweise wird das jedem "Verunfallten" sehr schnell selbst klar. Er wird sich selbst dafür verfluchen das er nicht aufgepasst hat, das er etwas so und nicht anders getan hat, oder es überhaupt getan und nicht anderen überlassen hat, usw.!

 

Aber es gibt auch Leute die für genau diese Überlegungen bezahlt werden. Auf größeren Wer- ken z. B. gibt es Abteilungen die sich nur mit dem Schutz vor Unfällen, und der Abwicklung der leider geschehenden Unfälle befassen. Sie sorgen unter anderem auch dafür das jedem Mit- arbeiter die möglichst beste Schutzausrüstung zur Verfügung steht und... ...das er sie auch benutzt.

 

Das Letztgenannte stellen sie durch Kontrollgänge im Betrieb sicher. Sicherheitskonform per- fekt ausgestattet streifen sie durch die Hallen und stellen jeden Mitarbeiter der nicht ebenso perfekt ausgestattet ist zur Rede. Wobei sie sich gleich von Anfang an ziemlich drastisch aus- drücken, so dass sich der gemaßregelte Kollege ziemlich unangenehm an seine Schulzeit erinnert fühlt.

 

Fündig werden sie immer. Wer im Hochsommer einen dicken, steifen, feuertesten Arbeitsanzug, bestehend aus Hose, langärmeligem Hemd und Jacke tragen muß ist immer versucht dem dro- hendem Hitzschlag zu entgehen indem er etwa die Jacke auszieht, oder gar die Ärmel des Hem- des aufkrempelt. Wer sehen möchte was er gerade tut, setzt auch schon mal die ewig beschla- gende, schon nach kurzem Gebrauch verkratze und verstaubte Schutzbrille ab. Und wer hören möchte was um ihn herum vorgeht nimmt auch schon mal den Gehörschutz aus den Ohren. Eine wahre Fundgrube für die Herren von der Unfallschutz-Abteilung.

 

Ist trotz aller vorbeugenden Maßnahmen und Kontrollen doch mal ein Unfall geschehen wird der sehr sorgfältig untersucht. Etwas was sekundenschnell im Arbeitsprozess passiert ist, wird nun in aller Ruhe im gemütlichem Büro "auseinander genommen". Wobei es in den allermeisten Fällen nicht schwer fällt dem Mitarbeiter nachzuweisen dass er sich falsch verhalten hat, und es sich somit um einen verhaltensorientierten, vermeidbaren Unfall handelt. Sobald der Mitarbeiter seine Arbeit wieder aufgenommen hat wird er zu einem klärendem Gespräch herbei zitiert, in dem er über sein Fehlverhalten informiert und zu künftiger Unterlassung ermahnt wird. Recht- fertigungsversuche der Mitarbeiter werden, da schon oft und immer wieder gehört, routiniert abgewiesen.

 

Den Kollegen von der Unfallschutzabteilung ist sicher nichts vorzuwerfen. Das was sie tun ist nun mal ihre Aufgabe und wenn sie die gewissenhaft durchführen ist das aller Ehren wert. Ob- wohl man sich manchmal doch ein wenig mehr Verständnis für die "normalen" Mitarbeiter wün- schen würde. Wie schon gesagt, das Thema Unfallschutz ist ihre Aufgabe, und zwar ihre Haupt- aufgabe auf die sie sich voll und ganz konzentrieren können.

 

Die "normalen" Arbeiter haben dagegen ein Problem. Natürlich haben sie kein Interesse daran einen Unfall zu erleiden und geben sich auch Mühe das zu verhindern. Allerdings ist der Unfall- schutz, so wichtig er auch sein mag, für sie nur eine Nebensache. Da gibt es nämlich noch je- manden der Ansprüche an sie stellt, nämlich der jeweilige Arbeitgeber. Da er jeden Monat eine gewisse Summe auf das Konto der Mitarbeiter überweist, verlangt er berechtigter Weise dafür das Erbringen einer Leistung. Das Bedienen einer Maschine oder Anlage, deren Instandhal- tung und Wartung, Verwaltungsaufgaben und was sonst noch dazu dient die Dividende der Aktionäre zu erhöhen. Wobei ein gewisser Wert darauf gelegt wird, das der jeweilige Mitarbeiter bei seiner Tätigkeit möglichst produktiv ist.

 

Dazu muß sich dieser Mitarbeiter natürlich konzentriert seiner Aufgabe widmen. Fehler durch Unaufmerksamkeit können hohe Unkosten verursachen. Was ihm dann Ärger und Unannehm- lichkeiten von anderer Seite eintragen würde. Das versucht er natürlich nach besten Kräften zu vermeiden. Und da nun mal jeder Mensch nur einen einzigen Kopf hat, und dieser leider nur in sehr geringem Maß multitasking-fähig ist, kommt es schon mal dazu dass dieser Mensch, durch seine Aufgabe abgelenkt, nicht auf seine Umwelt achtet, eine unbedachte Bewegung ausführt oder ähnliche Unaufmerksamkeiten begeht. Und schon ist der Unfall passiert.

 

Ein Unfall der vermeidbar gewesen wäre, wenn er sich eben nicht voll und ganz auf seine Arbeit sondern auf den Unfallschutz konzentriert hätte.

 

Natürlich geschehen auch Unfälle durch Dummheit,  Faulheit usw.! Aber es wäre wünschens- wert wenn die Herren vom Unfallschutz nicht jeden Unfall gleich in diese Schublade schieben würden, Verständnis für die besondere Situation der Mitarbeiter aufbringen würden und sich Gedanken darüber machen würden wie man auch Mitarbieter die durch ihre Hauptaufgabe abgelenkt sind besser schützen kann.

 

Mein Kollege, um wieder darauf zurückzukommen, wollte die elektrische Anschlüsse an einem Motor abklemmen. Dieser Motor befand sich ziemlich weit unten. Voll und ganz auf seine Arbeit konzentriert, setzte er sich, um an die Anschlüsse zu gelangen. Als er bemerkte das sein Sitz- platz noch heiß war, und bis er sich wieder hoch gerappelt hatte war der Unfall schon passiert, er hatte sich eine schlimme Verbrennung zugezogen. Auch dieser Unfall wäre vermeidbar ge- wesen...  ...wenn der Kollege sich halt nicht voll und ganz auf seine Aufgabe konzentriert hätte!

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J
<br /> Hallo Cebulon! Aha! Jetzt verstehe ich die Situation. wenn er ein vorsichtiger Mensch ist, hätte er bestimmt zuvor einen Sitztest gemacht und sich dann eine wärmedämmende Platte unter den Po<br /> gelegt.<br /> LG Joachim<br /> <br /> <br />
Antworten
C
<br /> <br /> Eigentlich ist er ein sehr vorsichtiger Mensch. Allerdings neigt er dazu sich zu sehr auf das zu konzentrieren was er gerade macht und nimmt dann sonst nichts mehr wahr.<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> Was sagt eigentlich der Betriebsrat dazu? Oder die Gewerkschaft? Das ist doch schon Nötigung oder sogar eine Straftat.<br /> <br /> <br />
Antworten
C
<br /> <br /> Die sagen alle: Man muß ja nicht. Alles freiwillig (und auf eigene Gefahr!). Aber du kennst das ja.........<br /> <br /> <br /> <br />
K
<br /> Ich weiß ganz genau was Du meinst! Ich habe es auch mehr als 25 Jahre ertragen müssen. Jeder neue Mitarbeiter wurde erst einmal in "Arbeitssicherheit" unterwiesen. Ist ja nicht verkehrt und sogar<br /> in Verbindung mit Maschinen richtig und wichtig.<br /> <br /> Auch in der Verwaltung wurden wir geschult! Man zeigte uns, wie man eine Treppe hinauf und hinunter gehen soll. Immer am Handlauf festhalten und sichere Schuhe tragen. Festen Schrittes immer einen<br /> Fuß vor den anderen setzen und aufpassen, dass man sicher auf der Stufe steht. In den letzten Jahren mußte ich sogar eine Sicherheitsbrille tragen, wenn ich mal über den Hof ging. Manches davon war<br /> schon Quatsch!<br /> <br /> Natürlich ist es schlimm für den Mitarbeiter wenn er einen Unfall erleidet. Der Arbeitgeber muß diese Sicherheit gewährleisten und Beiträge an die Berufsgenossenschaft abführen. Jeder<br /> meldepflichtige Unfall, beziehungsweise mit Krankheit verbunden, kostet richtig viel Geld! Davon hängt nämlich der Beitrag ab, der bezahlt werden muß.<br /> <br /> In dem Unternehmen, wo ich gearbeitet habe, wurden Sicherheitswettbewerbe veranstaltet und es gab Preise und Geschenke. Da wurde auch schon mal ein Mitarbeiter genötigt, sich nicht "krank<br /> schreiben" zu lassen. Dafür bekam er dann für diese Zeit eine vergleichbar leichtere Arbeit. Meistens klappte es auch, da ja eine ganze Abteilung davon betroffen war.<br /> <br /> Es geht nicht nur um die Sicherheit des Arbeitnehmer´s, es geht einfach nur um´s Geld. Sogar die Sicherheitsleute und deren Gehälter sind im Vergleich zum Beitrag für die Berufsgenossenschaft das<br /> kleinere Übel.<br /> <br /> Kein Mitarbeiter muß und darf sich schuldig fühlen! Wer will schon freiwillig einen Unfall erleiden?<br /> <br /> Es ist das Geld und nicht die Sorge um die Mitarbeiter! LEIDER!<br /> <br /> <br />
Antworten
C
<br /> <br /> Ja, du sagst es! Das mit der "leichteren Arbeit" ist bei uns Programm! Der Arzt ordnet absolute Ruhigstellung eines verletzten Gliedes an, kurz darauf ruft der Betriebsleiter an und zitiert den<br /> verunfallten Kollegen zum Werk. Der setzt sich dann in sein Auto, das er auf Grund seiner Verletzung und der Tabletten die er schlucken muss gar nicht fahren darf, fährt zum Werk und strapaziert<br /> ununterbrochen sein verletztes Glied.<br /> <br /> <br /> Jegliches Risiko, wie Verkehrs- oder andere Unfälle auf Grund seiner aktuellen Behinderung, Spätfolgen, Verschlimmerung der Verletzung hat er selbst zu tragen. Ein Elend ist das.<br /> <br /> <br /> Ich hätte nichts dagegen wenn es mit Absprache des Arztes der Verletzung gemäß erfolgen würde. Wenn man also z. B. nach einigen Tagen Ruhe mit leichter Arbeit wieder anfangen würde. Aber, wie du<br /> schon sagst, es geht ja nicht um den Verletzten und seine Gesundheit, sondern nur um Geld.<br /> <br /> <br /> Krankenhausbetten haben ja Räder. Da könnte man also auch halbtote tagsüber in den Betrieb rollen! :-(<br /> <br /> <br /> <br />