Der Weg ist das Ziel
Diesen Sinnspruch habe ich in einem Kommentar auf Katharinas Blog verwendet. Und prompt hat er mich wieder in tiefste Grübeleinen verstrickt.
So ganz klar ist mir der Sinn nämlich nicht. Ich habe ihn natürlich in einem bestimmten Sinn verwendet, kann aber nicht sagen ob der Spruch auch wirklich so gemeint ist. Was ich meinte ist, dass man nicht nur verbissen und verkrampft auf das Ziel hinschauen und hinarbeiten sollte, sondern nach Möglichkeit auch Freude und Befriedigung aus dem Weg dahin ziehen sollte.
Bei Katharina und ihrem Mann geht es um Um- und Neubauten, die sie mit möglichst viel Eigenleistung durchführen wollen. Jeder der so etwas schon mal gemacht, oder in seinem Umfeld erlebt hat, weiß dass man da zwischendurch schon mal "den Koller" bekommen kann. Irgend wann meint man dass man nie fertig wird. Zusätzliche Arbeiten und zusätzliche Kosten erscheinen "aus dem Nichts", Arbeiten die man glaubte in einem Tag erledigen zu können dauern drei Tage oder länger, ungeplante Unterbrechungen halten auf, usw., usw.! Wer da wirklich nur völlig verkrampft auf das Ziel hinarbeitet, wird wahrschein- lich früher oder später zusammenbrechen und im Krankenhaus, oder sogar in der Nervenheilanstalt lan- den.
Um jetzt aber erst mal zurück zum Spruch zu kommen: Gott sei Dank bietet das Internet ja die Möglich- keit sich umfassend mit Informationen zu versorgen, also habe ich mal wieder ein bißchen gegoogelt. Und, o weh, es scheint so, dass jemand der sich diesen Sinnspruch zu eigen macht ein ziemlich frag- würdiges Subjekt ist, jedenfalls wenn man mal hier schaut: Der Weg ist das Ziel
In diesem Artikel kommt das jedenfalls so rüber. Allerdings ist das hier wohl eher satirisch gemeint. Ich hab mal auf der Herkunfts-Website ein bißchen gestöbert, die ist echt interessant. Wenn ich diesen Beitrag fertig habe, werde ich mal der Frage nachgehen ob ich ein ultimativer Liebhaber bin. Und Katharina, und allen anderen die es interessiert möchte ich schon mal diesen Artikel über Ärzte ans Herz legen.
Naja, genug abgeschweift. Jedenfalls gibt es durchaus viele Menschen die es für die höchste Tugend halten Tag für Tag mit aller Energie auf ihr Ziel, oder sogar ihre Ziele, hin zu arbeiten. Diesen Leuten kann man nur wünschen das für sie nicht irgendwann ein Spruch gilt, der mal in unserer Werkstatt an der Wand hing und der ungefähr so endete:
....du kennst die Blumen nicht die duften - du kennst nur arbeiten und schuften - und irgendwann da grinst der Tod - kaputt malocht, du Idiot!
Aber, soll man nun wirklich alle Ziel fahren lassen und gemütlich "in den Tag hinein" leben? Natürlich nicht, denke ich mal und bin nun bei einem Thema das mir auch einiges an Bauchschmerzen bereitet, nämlich dem Zeitdruck. Jede Arbeit kann, meiner Ansicht nach, Spaß machen und dem Arbeitenden Bestätigung, Zufriedenheit und Stolz auf seine Leistung bringen.
Selbst jemand der den ganzen Tag auf einem Amt immer wieder die gleichen Anträge bearbeitet kann diese Gefühle haben, wenn er am Feierabend auf einen Stapel erledigter Anträge schaut. Aber was ist, wenn er trotz größtem Fleiß an einem Arbeitstag nur 50 Anträge schaffen kann, aber 100 schaffen soll? Welche Gefühle da vorherrschen kann sich wohl jeder denken.
Ja, der Zeitdruck ist es, meiner Ansicht nach, der vielen Menschen eine Arbeit die schön und erfüllend sein könnte unerträglich macht. Der heute aber schon ganz selbstverständlich zum Berufsleben dazu gehört. Und der leider (!) vielen Menschen so ins Blut übergegangen ist, dass sie ihn auch auf ihre priva- ten Tätigkeiten anwenden. Einfach eine langwierige Arbeit beginnen, daran arbeiten wenn man Zeit und Lust hat, zwischendurch mal einen oder mehrere Tage Pause machen, und irgendwann mal feststellen "Uuuups, ich bin ja am Ziel!" Kann das noch jemand?
Vielleicht die Modellbauer, die Schiffe, Fugzeuge oder Modelleisenbahnanlagen basteln!? Denen es auf das Basteln selbst ankommt, und die fast enttäuscht sind wenn sie fertig sind und nichts mehr an ihrem Werk zu tun finden? Vielleicht Leute die täglich in ihren Gärten herumwerkeln, und eigentlich immer wieder etwas ändern ohne je zu sagen:" Das ist es jetzt und so bleibt es!"? Für die könnte der Spruch stimmen: Der Weg ist das Ziel!
Und vielleicht sollte man sich ein wenig an diesen Leuten orientieren. Man muß schon Ziele haben, ohne geht es nicht. Aber vielleicht sollte man damit umgehen wie ein Modellbauer. Sich Zeit lassen, Spaß an der Verwirklichung selbst haben, Zeitdruck vermeiden, um dann irgendwann mal fest zu stellen das man es geschafft hat. Zumindest im privaten Umfeld, denn ich glaube kaum dass man Arbeitgeber von diesen Theorien überzeugen kann.
Ja, das war es erst mal was mir so zum Thema eingefallen ist. Ich werde jetzt noch ein wenig weiter grübeln, habe ja gerade mal die nötige Zeit dazu. Katharina und ihrem Mann, und allen die in einer ähnli- chen Situation stecken, wünsche ich jedenfalls dass sie nicht nur ihre Ziele erreichen, sondern auch an der Verwirklichung Spaß und Freude haben und eine Menge Zufriedenheit und Stolz auf die eigene Leistung daraus ziehen.