Mehr Mut zum ISO!
Wer sich in den Einstellungen seiner Digitalkamera schon mal abseits des Automatik-Modus, zum Beispiel in den P- oder M-Modus begeben hat, wird vielleicht festgestellt haben, dass man da so das eine oder andere einstellen kann. Unter anderem auch den ISO-Wert.
Dieser ISO-Wert ist schlicht und einfach ein Verstärkungsfaktor! Die kleinen lichtempfindlichen Zellen auf dem Kamera-Sensor messen die Helligkeit die auf sie trifft, und übergeben die ge- messene Helligkeit als Spannungswert an die Kamera-Elektronik.
Viel Licht ist hohe Spannung, wenig Licht ist kleine Spannung, ganz wenig Licht ist ganz kleine Spannung. Wenn es also eigentlich zu dunkel zum Fotografieren ist, erhöht man den ISO-Wert, das gemessene Licht wird um diesen Wert verstärkt, und schon ist das Foto so hell als ob es am hellen Tag aufgenommen wurde.
Eine tolle Sache, nur ist da, wie so oft im Leben bei tollen Sachen, ein kleiner Haken: Je dunk- ler das Licht ist, und je kleiner dadurch die Spannungen werden die die lichtempfindlichen Zel- len abgeben, desto mehr Störungen schleichen sich ein. Das liegt an der Kameraelektronik, und läßt sich leider nicht verhindern. Und diese Störungen werden wenn die Spannung ver- stärkt wird eben leider mit verstärkt. Man kann also erst mal ganz grob sagen: Je höher der ISO-Wert, desto schlechter die Bild-Qualität.
Aber: Die Technik wird immer perfekter, die Kameraelektronik immer besser, und die Software in den Kameras, die versucht diese Störungen auszubügeln immer besser. Und so wird der Be- reich in dem man diese Verschlechterung gar nicht, oder kaum wahr nimmt immer größer. Bei meinen ersten Kameras wurde das Bild deutlich schlechter wenn ich von ISO 100 auf ISO 200 umstellte. Mit den neueren kann ich schon bis 400 oder sogar 800 hoch stellen und es kom- men noch immer ansehnliche Bilder dabei heraus.
Bei meiner DSLR kann ich sogar mit ISO 1600 und ISO 3200 noch ganz annehmbare Bilder fotografieren. Das liegt daran das der Sensor, und damit die lichtempfindlichen Zellen, größer sind als bei kompakten Digitalkameras.
Durch Erhöhung des ISO-Wertes kann man also auch noch bei wenig Licht fotografieren. Aber ein höherer ISO-Wert kann auch bei besserem Licht, oder sogar bei guter Helligkeit Sinn ma- chen. Denn wenn das auf den Sensor fallende Licht verstärkt wird kann es auch zu hell wer- den, und dementsprechend muß man, oder die Kamera automatisch, den Wert für die Blende und die Verschlusszeit anpassen.
Man kann also z. B. mit kleinerer Blende fotografieren weil damit, z. B. für Landschaftsaufnah- men, die Tiefenschärfe verbessert wird. Aber da kompakte Digitalkameras schon bauartbedingt eine hohe Tiefenschärfe haben, ist dieser Vorteil gar nicht so gravierend. Weitaus gravierender ist dass man die Belichtungszeit verkürzen kann (oder die Kamera sie automatisch verkürzt).
Je kürzer die Belichtungszeit ist, desto wackeliger kann die Hand sein die die Kamera hält, des- to stürmischer kann der Wind sein der die Blume bewegt, oder wilder das Kind oder dass Tier sein das man fotografieren will!
Wenn also das Licht nicht so gut ist und/oder Bewegungen im Spiel sind, ruhig mal den ISO- Wert erhöhen. Wie weit man da gehen kann ist von Kamera zu Kamera unterschiedlich, wäre also mal auszuprobieren. Belohnt wird man mit unverwackelten Aufnahmen.
Evtl. im Original sichtbare Störungen werden durch Verkleinern der Bilder, z. B. um sie im Internet zu zeigen, sowieso noch reduziert.
Nach so viel Theorie aber nun auch mal was zum Anschauen. Da ich wegen meiner Fussver- letzung nicht so mobil bin, mussten für Beispielbilder die Blumen in Mutters Garten herhalten. Zuerst mal drei Aufnahmen die ich mit meiner DSLR bei ISO 800 gemacht habe:
Da kann man nicht von Verwackelungen sprechen, oder? Heute habe ich es mal mit einer nor- malen Kompaktkamera versucht, nämlich meiner Samsung S85. Zuerst mit ISO 400:
Blende 4.9, 1/290 Sek.
Blende 2.8, 1/290 Sek.
Gar nicht so schlecht, und auch unverwackelt, oder? Jetzt aber, noch mutiger geworden, noch mal mit ISO 800:
Blende 4.9, 1/390 Sek.
Blende 4.9, 1/270 Sek.
Auch die beiden sehen doch noch gut aus, oder? Also: Ruhig mal hoch mit den ISO-Werten. Besser die kaum sichtbare Qualitätsverschlechterung als ein verwackeltes, unscharfes Foto.






