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Alles Mögliche und Unmögliche von Cebulon

Fletschern, Schmauen, gründlich kauen, Teil 2

 

Im vorigen Beitrag habe ich versucht einen großen Bogen zum Thema zu schlagen, ohne all zu sehr ins Detail zu gehen. Darauf aufbauend möchte ich in diesem, und vielleicht noch folgen- den Beiträgen, ein wenig tiefer ins Thema gehen. Zuerst noch mal zu den Grundlagen:

Wie ich schon schrieb, ist das gründliche Kauen eigentlich die natürlichste Sache der Welt. Um das sicher zu stellen hat die Natur etwas erfunden das sich Zungenreflex nennt. Die Zunge ver- hindert das Schlucken so lange, bis der Bissen gut durchgekaut und eingespeichelt ist. Erst wenn das der Fall ist gibt sie den Weg frei. Damit ist sichergestellt das unser Essen genau so unten ankommt, wie Magen und Darm es haben wollen und perfekt weiter verarbeiten können.

So sollte es sein.... ...ist es aber im Allgemeinen nicht. Denn dieser Zungenreflex wird uns schon von frühester Kindheit an weg trainiert. Schon eine junge Mutter, die Kind(er), Haushalt und evtl. sogar einen Beruf bewältigen muss, ist daran interessiert das ihr Säugling möglichst pünktlich und zügig zu sich nimmt. Wenn das Kind dann selbst essen kann wird es ermahnt nicht zu trödeln und „schön den Teller leer zu essen“. Weil ja sonst am nächsten Tag das Wet- ter schlecht wird. Die Eltern stehen unter Termindruck, später auch das Kind selbst, durch Kindergarten, Schule und schließlich den eigenen Beruf. Feste, oft knapp bemessene, Pau- senzeiten geben vor wann und wie schnell man essen muss. Die Zeit fürs Frühstück wird zu- gunsten des Schlafes knapp kalkuliert, nach der Arbeit wird schnell etwas gegessen, damit man noch etwas vom Tag hat.

Also: Zungenreflex ade, und „runter mit dem Zeug“. Mit allen negativen Konsequenzen. Befind- lichkeitsstörungen, wie ich sie schon im vorigen Beitrag beschrieben habe, oder sogar Krank- heit! Denn das, was man so hastig runter schlingt kommt nicht wirklich gut an. Magen und Darm können es nicht wirklich gut verwerten, und so sieht es in unserem Bauch eher wie auf einer Müllkippe aus. Das schlecht gekaute Essen gärt im Darm, böse Bakterien bilden sich, leben gut davon und bilden Gase und Giftstoffe die dem Körper schwer zu schaffen machen. Das, einem „gute“ Essen folgende Unwohlsein, das oft mit einem Kaffee oder Schnaps bekämpft wird, ist sicher allgemein bekannt.

Ein großes Problem also! Aber ein Problem das man mit einfachen Mitteln lösen kann. Mit gründlichem Kauen! Populär auch Fletschern (eigentlich Fletchern) oder Schmauen genannt.

Ja, so einfach ist die Lösung vieler, hauptsächlich gesundheitlicher, Probleme. Nur... ...gründ- liches Kauen dauert länger! Wie soll man z. B. In der knapp bemessenen Pausenzeit sein But- terbrot oder das Kantinenessen gründlich kauen?

Die Antwort ist: Es geht nicht! Jedenfalls nicht komplett. Man isst das, was man beim gründli- chen Kauen schafft und lässt den Rest stehen. Das bedarf natürlich einiger Überwindung. Vor allem wenn man das Essen teuer bezahlt hat, wie zum Beispiel im Restaurant oder Imbiss. Lie- ber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt, heißt es ja. Das man den Teller leeren muss, damit am nächsten Tag das Wetter gut wird, weiß jeder noch aus der Jugendzeit. Auch das es eine Sünde ist, Essen wegzuwerfen, wenn anderswo Leute verhungern auch.

Und: Reicht das Wenigere, das man isst, überhaupt um den Hunger zu stillen und danach noch Leistung zu bringen? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es reicht! Denn, gründlich gekau- tes Essen wird ja in Magen und Darm viel besser verwertet. Außerdem belastet es Magen und Darm nicht so wie hastig herunter geschlungenes Essen. Das bekannte Leistungstief nach dem Mittagsmahl ist nicht so schlimm, oder entfällt sogar. Man fühlt sich angenehm gesättigt, aber noch leistungsfähig oder sogar unternehmungslustig.

Sollte dann vor der nächsten Mahlzeit doch noch Nahrungsbedarf auftreten, kann man das mit kleinen Zwischenmahlzeiten, die natürlich auch gründlich gekaut werden sollten, bewältigen.


Das man Essen nicht unnötig wegzuwerfen sollte stimmt schon. Wenn möglich sollte man das durch kleinere Portionen, weniger Kochen und weniger Einkaufen vermeiden. Aber leider hat man da nicht immer Einfluss drauf. Oft bestimmen andere, eine wohlwollende Ehefrau oder Gastgeberin, das Kantinen- oder Restaurant-Personal oder sonstige Personen, wie viel auf dem Teller liegt. Also heißt es, sich selbst und andere daran zu gewöhnen das auch mal was auf dem Teller liegen bleibt. So lecker das Essen auch ist. Und wer dann beleidigt ist, bekommt es erklärt, und falls der- oder diejenige diese Erklärung nicht akzeptiert hat er/sie eben Pech gehabt. Im Notfall kann man auch schon mal ein Magen-Leiden vortäuschen.

Wer in einen gut gefüllten Bauch, aus welchen Gründen auch immer, noch mehr Essen „hi- neinschiebt“ schadet sich nur selbst. Evtl. kann man sich in Restaurants, Imbissen usw., Reste einpacken lassen. Wer sich schämt sagt halt einfach das es für den Hund ist! ;-) Im privaten Bereich kann man die Reste in den Kühlschrank stellen und dann später noch mal zugreifen.

Ein Problem ist auch, dass man oft schon aus Gewohnheit schnell und hastig isst, obwohl man eigentlich Zeit hätte. Das abzustellen sollte nicht sonderlich schwer fallen.

Die Umstellung der Essgewohnheiten ist nicht leicht. Bei mir klappte es auch nicht immer, aber immer öfter, wie es mal so schon in einer Werbung hieß. Wenn es mal nicht klappt, wenn ich in Gedanken in alte Essgewohnheiten zurück falle, versuche ich eben es beim nächsten Bissen, bei der nächsten Mahlzeit oder am nächsten Tag wieder richtig zu machen.

Das Zeitproblem beim gründlichen Kauen habe ich teilweise so gelöst das ich feste Mahlzeiten auflöse. Das heißt zum Beispiel, dass ich mich zum Frühstück zwar wie sonst auch eine Weile hinsetze, aber nicht unbedingt aufesse, sondern eine Teil meines Frühstücks während des An- ziehens, Tasche packen usw. gründlich kauend zu mir nehme. Genau so mache ich es auf dem Werk, einen Teil meiner Pausenverpflegung esse ich in der Pause selbst, den Rest Bissen für Bissen dann, wenn mich mein Weg mal wieder in die Nähe meiner Butterbrotdose führt. Und abends, wenn ich, so wie jetzt vor dem Laptop sitze, mache ich mir ein Brot oder Brötchen und esse es Bissen für Bissen, gründlich gekaut ,über einen längeren Zeitraum hinweg. Das wider- spricht natürlich wieder Grundsätzen die man irgendwann gelernt hat, aber wenn es klappt, warum nicht?

 

Zum Schluß noch mal, damit es nicht vergessen wird  die kurz zusammengefasste Praxis:

 

Kleine Bissen in den Mund nehmen, gründlich klein kauen, weiter kauen bis er sich im Mund verflüssigt hat. Erst dann schlucken. Auch flüssige Nahrung, wie Suppen, müssen sich mit dem Speichel vermischen, damit die Enzyme ihre Arbeit tun können. Also auch die kauen. Hört sich schwierig an, aber mit einiger Übung klappts.

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